WAZ vom 10. Dezember 2009
Arne Poll
Der Rum hat Feuer gefangen. Zum Glück, sonst wär's ja keine Feuerzangenbowle. Werner Jakob gießt das brennende Etwas ganz vorsichtig mit der Kelle über den Zuckerhut. Es darf nichts daneben gehen. Die Feuerzangenbowle ist beim Roten Kreuz so etwas wie ein Heiligtum - und das seit exakt 28 Jahren.
Der 74-Jährige hält tapfer hinter der Theke die Stellung. "Ehrenamtlich", betont er. "Als ich in den Ruhestand ging, habe ich gedacht, dass ich auch etwas Nützliches machen kann." Werner Jakob hat sich nützlich gemacht. Er hat Wein, Zucker und viel Rum gekauft. Die Ehrenamtlichen haben den Stand aufgebaut, die Tische geschmückt und die schweren Gefäße für die Feuerzangenbowle geschleppt.
"Uns fehlt der Nachwuchs", sagt Jakob, der sich vor zehn Jahren von seiner Frau Marianne für den Dienst beim Roten Kreuz anwerben ließ. "So etwas kann man wohl nur im Alter machen."
Die Treue kommt bei den Besuchern des Weihnachtsdorfes gut an. Die Kunden wissen genau, dass das Rote Kreuz wieder da ist. "Sie stehen ja immer hier", sagt ein älterer Mann. Werner Jakob nickt.
Er braut die Feuerzangenbowle in drei verschiedenen Bottichen. Im ersten Topf brodeln Rotwein und Früchte vor sich hin. In zweiten Topf geschieht die Veredelung. Der brennende Rum (54 Umdrehungen) tropft über einen Zuckerhut in den Topf und gibt der Bowle ihren Geschmack. Der dritte Topf ist eine riesige Thermoskanne. Werner Jakob füllt die Bowle ab. Wer mag, kann den Porzellanbecher gleich mitkaufen.
Die DRK-Frauen haben Gestecke gebastelt. Die Vorbereitungen liefen schon, als noch gar nicht an Weihnachten zu denken war. "Das geht jedes Jahr nach den Sommerferien los", sagt Werner Jakob.
Es sind die Ehrenamtlichen, die dem Weihnachtsdorf Leben einhauchen. Schon gestern Vormittag hatten Kinder aus dem Kindergarten Kurze Straße mit selbst gebastelten Sternen den Weihnachtsbaum geschmückt. Die Kolping-Familie backt Reibeplätzchen (es gibt Gäste, die extra deswegen ins Weihnachtsdorf kommen). Die Bläserklasse von der Realschule Kastanienallee sorgt für weihnachtliche Stimmung.
Das Weihnachtsdorf steht noch bis zum Sonntag auf dem Platz am Offers. Werner Jakob und seine Mithelfer freuen sich auf Besucher.
PROGRAMM
Donnerstag, 10.12. 16.30 Uhr: Weihnachtlicher Zauber mit der Stadtbücherei 19 Uhr: Don-Bosco-Bläser
Freitag, 11.12. 18 Uhr: Quartettverein Liederkranz Neviges. 18.30 Uhr: Gemeinschaftschor MGV Langenhorst und Konkordia/Eintracht 19 Uhr: Foss Doll 20 Uhr: Schlossstadt-Sänger
Weiteres Programm folgt.
Umrahmt von den weihnachtlichen Klängen der Bläserklasse der Realschule Kastanienallee und des Bläser-Ensembles der Musik- und Kunstschule, eröffnete der stv. Bürgermeister Hinnerk Tegtmeier gestern Abend pünktlich um 17.30 Uhr das "Velberter Weihnachtsdorf". "Andere haben Weihnachtsmärkte, wir haben ein Weihnachtsdorf" sagte er; unüberhörbar stolz auf die weiße Zeltstadt auf dem Offersplatz. Und Klaus Jaeger, Vorsitzender von "Velbert aktiv", schickte voraus, "dass es sicherlich nicht zum dritten Mal ein Weihnachtsdorf gibt, weil es beim ersten Mal so schlecht angenommen worden ist". Die Besucherzahlen gestern geben ihm recht. Bis inklusive Sonntag ist das Dorf geöffnet. 30 Aussteller, ausschließlich Velberter Einzelhändler, Schulen, Vereine oder Verbände locken mit feiner Weihnachts-Dekö, Lukullischem und sogar Bäumen. ewi
Werner und Marianne Jakob brauen am DRK-Stand die traditionelle Feuerzangenbowle. Fotos: Uwe Vogler
Die Bläserklasse von der Realschule Kastanienallee eröffnete gestern Abend musikalisch das Weihnachtsdorf.
Einige hundert Besucher kamen zum Auftakt auf den Platz neben der Alten Kirche am Offers.