WAZ vom 16. Juni 2011
Birgit Hölker-Schüttler
"Ich möchte mich hier heute für den jungen Mann typisieren lassen", erklärt ein hochgewachsener Mitvierziger an der im evangelischen Gemeindehaus eingerichteten Anmeldestation. Das Gebäude an der Oststraße dient heute dem DRK-Blutspendedienst West als Anlaufstation für alle, die mit ihrem Blut anderen Menschen helfen wollen. "Gleichzeitig besteht hier heute auch die Möglichkeit, sich als Stammzellenspender für den an Leukämie erkrankten Jan Dresemann typisieren zu lassen", ergänzt Anke Hellmig von der Westdeutschen Spenderzentrale.
Alle Spendewilligen durchlaufen hier innerhalb einer guten Dreiviertelstunde einen Parcours mit zehn Stationen. Bei der Anmeldung geben Neuspender ihren Ausweis ab und füllen anschließend einen Bogen zur Krankenvorgeschichte aus. Dann wird mit einem kaum spürbarem Piks am Ohr der Blutfarbstoffgehalt im Blut überprüft. "Das ist wichtig, um im Vorfeld auszuschließen, dass kein Eisenmangel vorliegt, denn den würde eine weitere Blutabnahme verstärken", sagt DRK-Mitarbeiter Bernd Augat. Darüber hinaus überprüft er mit dem Ohrenmessgerät die Körpertemperatur. "Ein Infekt wäre das Letzte, was ein kranker Mensch, der eine Blutspende benötigt, noch oben drauf braucht", betont Heinz Laufs, Referent Öffentlichkeitsarbeit des DRK-Blutspendedienstes West. Nach einer ärztlichen Untersuchung, bei der auch noch offene Fragen des Anmeldebogens geklärt werden, geht es dann auf eine der zehn im Gemeindehaus aufgebauten Liegen. Ganz entspannt trotz Blutdruckmanschette (zum Anstauen) und Druckverband (gegen blaue Flecke) liegt hier beispielsweise Silke Krowas: "Ich war vorher ganz schön aufgeregt, jetzt ist aber alles okay", fasst die Erstspenderin ihre Gemütslage zusammen.
Innerhalb von gut zehn Minuten wird ihr rund ein halber Liter ihres Lebenssaftes abgezapft. "Zunächst nehmen wir den Erstspendern vier Röhrchen für die Erstuntersuchung ab", erläutert Heinz Laufs, "diese werden in unserem Zentrallabor auf Krankheiten wie eine HIV-Infektion, auf Hepatitis B und C oder Syphilis getestet, anschließend fließt das Blut in den Hauptbeutel." Allein fürs kommende Jahr hat das DRK 3900 Blutspendetermine eingeplant. Jeden Tag ist man mit fünfzehn Entnahmeteams an den verschiedenen Einsatzorten. Dabei werden täglich 1000 Blutkonserven gewonnen. Durch aufwändiges Zentrifugieren werden die Spenden später in rote Blutkörperchen, Blutplättchen und in Plasma unterteilt.
"Dieses enorme Pensum wäre ohne die Hilfe der vielen Ehrenamtlichen, die Blutspenderpässe stempeln, Mahlzeiten ausgeben und die vielen Dauerspender wie alte Bekannte begrüßen, nicht möglich." So unterstützen allein hier in Velbert um die fünfzig Ehrenamtliche die Blutspendebeauftragte des DRK, Waltraud Ortmann.
Blutspendern wie beispielsweise Peter Grädig, der hier heute zum 164. Mal sein Blut lässt, winkt neben der Versorgung vor allem ein gutes Gefühl: "Ist doch eine tolle Sache, wenn man Leuten helfen kann."
Zusätzliche Spende
Wer sich für Jan Dresemann typisieren lassen möchte, kann das heute im Evangelischen Gemeindehaus, Wichernstraße 1 (16-19 Uhr) tun. Weil es in der Ferienzeit zu Blutengpässen kommt, bietet das DRK vierzehn Tage vor Urlaubsbeginn am Sonntag, 3. Juli, von 11 bis 17 Uhr die Spendemöglichkeit im Evangelischen Gemeindehaus, Oststraße 38.
Hier lässt gerade Christine Schwalfenberg ihr Blut für den guten Zweck. Fotos: Detlev Kreimeier
Die Schüttelwaage zeigt an, wenn der Spendebeutel voll ist.